Krisenvorsorge als Plan B: Ein praktischer Leitfaden mit Checklisten, Szenarien und Entscheidungslogik

Krisenvorsorge als Plan B: Ein praktischer Leitfaden mit Checklisten, Szenarien und Entscheidungslogik

Die Schweiz gilt als sicher. Stabil. Geordnet. Genau das ist das Problem. Wer in einem System aufwächst, das jahrzehntelang funktioniert hat, hört irgendwann auf, sich zu fragen, was passiert, wenn es nicht mehr funktioniert. Strom, Wasser, Heizung, Lebensmittel, Bargeld, Internet, medizinische Versorgung. Alles da. Immer. Bis es nicht mehr da ist.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat 33 relevante Gefährdungen analysiert. Die zwei grössten Risiken für die kommenden Jahre: eine mehrwöchige Strommangellage und eine Pandemie. Beides sind keine Hollywood-Szenarien. Beides ist berechenbar, dokumentiert und realistisch. Und beides trifft eine Bevölkerung, die im Schnitt für zwei bis drei Tage Vorrat im Haus hat.

Plan B heisst nicht, das Schlimmste zu erwarten. Plan B heisst, vorbereitet zu sein, wenn das Normale nicht mehr normal ist. Drei Bereiche bilden das Fundament: Grundversorgung, Handlungsfähigkeit, Sicherheit. In dieser Reihenfolge.

Warum überhaupt vorsorgen

Es gibt zwei Arten von Menschen. Die einen denken, im Ernstfall werde der Staat schon helfen. Die anderen wissen, dass der Staat im Ernstfall mit sich selbst beschäftigt ist. Polizei, Feuerwehr, Rettung, Armee, Zivilschutz, all diese Strukturen funktionieren, solange die Lage lokal und überschaubar bleibt. Sobald ein Ereignis grossflächig wird, kippen die Verhältnisse innerhalb von Stunden.

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung empfiehlt einen Notvorrat. Mindestens. Das ist die staatliche Untergrenze, kein Sicherheitskonzept. Wer ernsthaft vorbereitet sein will, denkt in Wochen, nicht in Tagen.

Die Faustregel: 72 Stunden bis du auf dich allein gestellt bist. 14 Tage bis Hilfe organisiert sein könnte. 30 Tage bis ein System wieder läuft. Dazwischen liegt deine Verantwortung.

Teil 1: Grundversorgung

Grundversorgung ist die Basis. Wer hungrig, durstig, kalt und krank ist, kann nichts entscheiden, nichts schützen, niemanden retten. Vier Bereiche, klare Prioritäten.

Wasser

Drei Tage ohne Wasser, dann wird es kritisch. Der menschliche Körper verzeiht Hunger lange, Durst nicht. Plane mit vier bis fünf Litern pro Person und Tag. Zwei zum Trinken, einer zum Kochen, der Rest für Hygiene.

Konkret heisst das:

  • Mindestens 30 Liter Trinkwasser pro Person an Lager, besser 60
  • Wasserfilter (z.B. Katadyn, Sawyer, Care Plus) für die Aufbereitung aus offenen Quellen
  • Micropur oder vergleichbare Entkeimungsmittel für die Langzeitlagerung
  • Faltbare Kanister, mindestens zwei mit je 10 Litern, zum Transportieren
  • Eine Möglichkeit, Wasser abzukochen, unabhängig vom Stromnetz

Lagerung: Wasser in Glasflaschen hält Jahre. In PET hält es Monate. Leitungswasser in sauberen Kanistern hält Wochen, mit Micropur deutlich länger. Wer einen Garten hat, denkt über eine Regentonne nach. Sie ist keine Trinkwasserquelle, aber sie löst das Hygieneproblem.

Nahrung

Drei Wochen ohne Essen sind möglich. Drei Wochen ohne Energie nicht. Wer arbeitsfähig, klar im Kopf und körperlich belastbar bleiben will, braucht Kalorien. Pro Erwachsener mindestens 2000 kcal pro Tag, bei körperlicher Belastung deutlich mehr.

Plane in drei Schichten:

  1. Kurzfristig (1 bis 2 Wochen): Was du sowieso isst. Konserven, Teigwaren, Reis, Öl, Salz, Zucker, Kaffee. Rotation durch normalen Verbrauch.
  2. Mittelfristig (1 bis 3 Monate): Trockenwaren, Hülsenfrüchte, Getreide, Dosenfleisch, Honig, Trockenfrüchte, Nüsse. Haltbarkeit ein bis zwei Jahre, regelmässig kontrollieren.
  3. Langfristig (3 bis 25 Jahre): Spezialnahrung wie NRG-5 Riegel, gefriergetrocknete Fertiggerichte (Trek’n Eat, Mountain House), eingelagertes Saatgut für den eigenen Anbau.

Wer einen Balkon hat, hat eine Anbaufläche. Kartoffeln im Sack, Tomaten im Topf, Salat im Hochbeet. Wer einen Garten hat, hat ein kleines Versicherungssystem. Saatgut mit langer Keimfähigkeit gehört zur Vorsorge wie Wasser.

Eine handbetriebene Getreidemühle macht aus 10 Kilo Weizen sehr viele Mahlzeiten. Sie braucht keinen Strom und keine Wartung.

Energie, Wärme, Licht

Strom ist die unsichtbare Lebensader. Geht er weg, fällt die Heizung aus, die Tiefkühltruhe taut auf, das Handy stirbt, der Herd ist kalt, der Lift steht. In einer Stadt im Januar wird das innerhalb von 24 Stunden ernst.

Mindestausstattung:

  • Campingkocher mit Gasvorrat für mindestens vier Wochen
  • Hobokocher als Backup, funktioniert mit Holz, Tannzapfen, allem Brennbaren
  • Stirnlampen für jedes Familienmitglied, plus Reservebatterien (Faustregel: zehnfacher Bedarf)
  • Kerzen, Sturmlaterne, Petroleumlampe mit Brennstoff für mehrere Wochen
  • Kurbelradio oder Solarradio für die Notinformation
  • Powerbank, geladen, plus Solarpanel zum Nachladen
  • Wärmequelle abseits der Heizung: Cheminée, Schwedenofen, Petroleumofen, im Notfall ein Teelichtofen

Wer im Winter friert, verliert nach wenigen Stunden die Entscheidungsfähigkeit. Wärme ist nicht Komfort, Wärme ist Überleben.

Medizin und Hygiene

Wer im Krisenfall krank wird, hat ein doppeltes Problem. Die normale Versorgung ist überlastet, der Weg dorthin oft nicht möglich. Vorsorge heisst hier: gesund bleiben, Verletzungen selbst behandeln können, persönliche Medikamente vorrätig haben.

  • Vollständiges Erste-Hilfe-Set, ergänzt um Tourniquet, Israeli Bandage, Wundauflagen, Pflaster in mehreren Grössen
  • Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, mindestens eine Packung jeder Sorte
  • Persönliche Dauermedikation, mindestens drei Monatspackungen im Vorrat
  • Atemschutzmasken FFP2/FFP3 für jedes Familienmitglied, dazu chirurgische Masken in grösserer Stückzahl
  • Desinfektionsmittel, Handseife, Hygieneartikel, Toilettenpapier für mindestens einen Monat
  • Multivitamin- und Mineralstoffpräparate als Ergänzung bei einseitiger Vorratsernährung
  • Notfalltoilette: stabiler Eimer, kompostierbare Beutel, Streumittel oder Sägemehl

Wer mit einer Infektion, einer offenen Wunde oder Durchfall in eine Krise geht, kämpft an zwei Fronten. Hygiene ist kein Detail, Hygiene ist Strategie.

Teil 2: Handlungsfähigkeit

Material allein rettet niemanden. Wer im Ernstfall friert, weil er den Ofen nicht anbekommt, wer das Wasser nicht aufbereiten kann, weil er den Filter nie ausprobiert hat, wer das Funkgerät nicht bedienen kann, der hat ein Lager, kein System. Handlungsfähigkeit heisst: Du kannst, was du hast.

Mentale Vorbereitung

Stress macht dumm. Das ist keine Meinung, das ist Physiologie. Unter Adrenalin schrumpft das Sichtfeld, das Gehör verzerrt, das Erinnerungsvermögen fällt aus, die Feinmotorik versagt. Wer trainiert ist, kompensiert das. Wer nicht trainiert ist, friert ein.

Drei Werkzeuge, die jeder beherrschen sollte:

  • Awareness-Zonen. Cooper hat das System mit den Farben Weiss, Gelb, Orange, Rot vor 60 Jahren formuliert, es funktioniert immer noch. Wer dauernd in Weiss lebt (Handy, Kopfhörer, Tunnelblick), sieht die Gefahr erst, wenn sie über ihm steht.
  • Atemtechnik. Box Breathing, taktische Atmung, vier Sekunden ein, vier halten, vier aus, vier halten. Senkt den Puls, klärt den Kopf, kostet nichts.
  • Visualisierung. Wer im Kopf hundertmal durchgegangen ist, wie er aus seinem brennenden Wohnzimmer kommt, handelt im Ernstfall ohne nachzudenken. Wer es nie durchgespielt hat, sucht den Lichtschalter, der nicht mehr da ist.

Selbstverteidigungstraining gehört in diese Kategorie. Nicht weil du jeden Tag kämpfen wirst, sondern weil das Wissen, kämpfen zu können, dein Verhalten verändert. Du gehst anders durch die Welt, wenn du weisst, dass du nicht hilflos bist.

Information und Kommunikation

Im Ernstfall stirbt das Handynetz zuerst. Überlastet, ausgefallen, abgeschaltet. Wer dann seine Familie erreichen will, braucht einen Plan, kein Smartphone.

  • Funkgeräte (PMR446, in der Schweiz bewilligungsfrei) für die Familie, eingeführt und geübt
  • Vereinbarter Treffpunkt für den Fall, dass jemand nicht zu Hause ist
  • Schriftliche Kontaktliste mit Nummern, Adressen, alternativen Wegen, laminiert im Portemonnaie
  • Radio mit Batterie- oder Kurbelbetrieb für die offiziellen Lageinformationen
  • Notfallkanal SRF 1, regionale Sender, sowie ICARO oder Polycom für Lagebilder

Wer drei verschiedene Wege zu seiner Familie hat, hat Kommunikation. Wer nur einen hat, hat Hoffnung.

Dokumente und Finanzen

Eine Krise prüft, was du sofort greifbar hast. Wer im evakuierten Haus auf den Bankberater wartet, hat verloren.

  • Kopien aller wichtigen Dokumente (ID, Pass, Führerausweis, Versicherungspolicen, Bankunterlagen, medizinische Befunde) wasserdicht verpackt
  • Zweitkopien an einem zweiten Ort (Familie, Banksafe, verschlüsselte Cloud)
  • Bargeld im Haus: mindestens ein Monatslohn in kleinen Noten, verteilt auf mehrere Verstecke
  • Edelmetalle als Wertspeicher, Silbermünzen in kleinen Einheiten, etwas Gold
  • Liste aller Passwörter, physisch, an einem sicheren Ort

Wenn die Kartenleser ausfallen (siehe Griechenland 2015, siehe Sri Lanka 2022), zählt nur, was in deiner Hand liegt.

Mobilität und Fluchtbereitschaft

Es gibt zwei Grundszenarien. Bleiben (Shelter in Place) oder Gehen (Bug Out). Beides muss vorbereitet sein. Beides braucht eigene Logik.

Der Fluchtrucksack steht an einem definierten Ort, gepackt, einsatzbereit. Inhalt für 72 Stunden Autonomie:

  • Wasser für zwei Tage, Filter, Micropur
  • Notnahrung (Riegel, Trek’n Eat, Nüsse) für drei Tage
  • Kleidung der Saison angepasst, plus eine Garnitur Wechselwäsche
  • Regenschutz, Wollmütze, Handschuhe, gutes Schuhwerk (am Körper, nicht im Rucksack)
  • Schlafsack oder Biwaksack, Isomatte, Notfalldecke
  • Erste-Hilfe-Kit, persönliche Medikation
  • Messer, Multitool, Feuerstahl, Stirnlampe, Funkgerät
  • Dokumentenmappe, Bargeld, Edelmetalle
  • Hygieneset, Toilettenpapier, Müllbeutel
  • Karte der Region, Kompass, Schreibzeug

Wer noch nie mit seinem Fluchtrucksack zehn Kilometer gegangen ist, weiss nicht, ob er ihn tragen kann. Das ist das Mindestprogramm zur Validierung.

Teil 3: Sicherheit

In einer geordneten Gesellschaft delegieren wir Sicherheit an die Polizei. Das funktioniert, solange die Ordnung steht. In einer Krise verschiebt sich die Verantwortung zurück zum Einzelnen. Nicht weil der Staat versagt, sondern weil er physisch nicht überall sein kann.

Heimschutz

Wer im Krisenfall zu Hause bleibt, sollte das Zuhause als das behandeln, was es ist: deine Basis, dein letzter Rückzugsort, dein Lager. Es darf nicht das Erste sein, was plündernde Gruppen sehen, und nicht das Einfachste, in das sie eindringen.

  • Eingangstür mit massiver Verriegelung, Mehrpunktschloss, Schutzbeschlag
  • Fenster im Erdgeschoss mit Pilzkopfverriegelung, im Krisenfall zusätzlich mit Brettern oder Folien verstärkbar
  • Bewegungsmelder mit Akkubetrieb, unabhängig vom Stromnetz
  • Sichtschutz: ein dunkles Haus zieht weniger Aufmerksamkeit als eines mit Kerzenlicht hinter unverhängten Fenstern
  • Definierter Rückzugsraum (Safe Room) für den Ernstfall, mit Funk, Wasser, Erste-Hilfe

Sicherheit ist Schichten. Eine Tür allein ist eine Hürde, drei Hürden sind ein System.

Selbstverteidigung

Die ehrlichste Frage zuerst: Was darfst du? In der Schweiz gilt das Prinzip der Verhältnismässigkeit. Notwehr ja, Selbstjustiz nein. Pfefferspray ist legal und trägbar. Schlagstöcke, Elektroschocker, scharfe Waffen unterliegen dem Waffengesetz. Wer eine Faustfeuerwaffe besitzt, hat WES und Tresor und Übung. Wer das nicht hat, lässt es.

Was funktioniert, abgestuft nach Distanz und Intensität:

  • Mentale Präsenz. Aufrechter Gang, Blickkontakt, klare Stimme. Verhindert 80 Prozent der Eskalationen.
  • Deeskalation. Worte, Körpersprache, Ausweichen. Der beste Kampf ist der nicht geführte.
  • Distanzwerkzeuge. Pfefferspray (Gel, nicht Sprühnebel) als legales Trägerwerkzeug.
  • Körperliche Verteidigung. Trainiert. Regelmässig. Krav Maga, Boxen, BJJ, Ringen. Was du nicht trainierst, kannst du nicht.
  • Hilfsmittel im Haus. Taschenlampe (blendet und schlägt), Spazierstock, Küchenwerkzeug. Was zur Hand ist, ist Werkzeug.

Wer Selbstverteidigung als Versicherung begreift, trainiert. Wer sie als Eskalationsmittel begreift, gerät in mehr Probleme, als er löst.

Soziales Netzwerk

Der unterschätzte Faktor. Niemand übersteht eine längere Krise allein. Wer Nachbarn kennt, hat eine Verteidigungslinie. Wer eine Familie hat, die einen Plan hat, hat Redundanz. Wer Freunde mit komplementären Fähigkeiten hat (Arzt, Handwerker, Bauer, Funker), hat ein Ökosystem.

Bau das Netz in der Ruhephase auf, nicht in der Krise. In der Krise nimmt es niemand mehr auf.

Vier Szenarien, vier Entscheidungslogiken

Szenario 1: Mehrwöchige Strommangellage

Die wahrscheinlichste Grosskrise gemäss Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Ablauf: Zuerst Brownouts, dann rotierende Abschaltungen, dann längere Ausfälle. Heizung, Tiefkühler, Internet, Tankstellen, Bankomaten, Verkehrsampeln. Alles betroffen.

Entscheidung: Bleiben. Das Zuhause ist warm haltbar (Notheizung), versorgt (Wasser, Nahrung, Licht) und sicher. Externe Mobilität wird zum Risiko.

Prioritäten: Wärmequelle aktivieren, Tiefkühl-Inhalte zuerst verbrauchen, Funkkontakt zur Familie sicherstellen, mit Nachbarn koordinieren, Wasservorräte rationieren.

Szenario 2: Pandemie

Wir haben es 2020 erlebt, im kleinen Format. Das nächste Mal könnte es ein Erreger mit höherer Letalität sein.

Entscheidung: Bleiben, Kontakte minimieren, Hygiene maximieren. Vorrat ist hier wertvoller als jede Waffe.

Prioritäten: FFP3-Masken, Desinfektion, getrennte Quarantänezone in der Wohnung, klare Regeln für externe Kontakte (Lieferungen, Arztbesuche).

Szenario 3: Naturereignis (Hochwasser, Sturm, Erdbeben)

Lokal, intensiv, kurzfristig. Die Schweiz erlebt das alle paar Jahre, regional.

Entscheidung: Abhängig vom Schadensbild. Bei Hochwasser und Erdbeben kann der Standort selbst zum Risiko werden. Bug Out bereit halten, aber nicht voreilig auslösen.

Prioritäten: Lageinformation (Radio, Notruf-App des BABS, Alertswiss), Familie sammeln, Fluchtrucksack bereit, definierten Treffpunkt aktivieren.

Szenario 4: Soziale Unruhen oder bewaffneter Konflikt

In der Schweiz unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Spillover aus benachbarten Konflikten, Flüchtlingswellen, Plünderungen in Grenzregionen, organisierte Kriminalität in Krisenfenstern.

Entscheidung: Niedrige Sichtbarkeit (Grey Man Prinzip), Heimschutz aktivieren, Bewegung minimieren, im Zweifel zweiten Standort ausserhalb der Agglomeration aufsuchen.

Prioritäten: Diskretion, keine Schaufenster der Vorräte, kein Statussymbol nach aussen, Netzwerk aktivieren, Familie zusammenhalten.

Entscheidungslogik: Das PACE-Prinzip

Aus dem militärischen Kontext, übertragbar auf jede Vorsorgeplanung. Für jede kritische Funktion definierst du vier Optionen.

  • P – Primary: Was du standardmässig nutzt.
  • A – Alternate: Was du nutzt, wenn das Primäre ausfällt.
  • C – Contingency: Was du nutzt, wenn auch das Alternative ausfällt.
  • E – Emergency: Die letzte Option, oft mit Komfortverlust.

Beispiel Kommunikation mit der Familie: Handy (P), Funkgerät (A), Treffpunkt zu fixer Zeit (C), gemeinsamer Sammelpunkt ausserhalb der Stadt (E).

Beispiel Wasser: Leitungswasser (P), gelagertes Flaschenwasser (A), gefiltertes Wasser aus Bach oder Regentonne (C), gesammeltes Regenwasser ohne Filterung, abgekocht (E).

Wer für jede Lebensgrundlage vier Stufen hat, fällt nicht aus, wenn eine ausfällt.

Bleiben oder Gehen: Die Drei-Fragen-Regel

Wenn eine Lage kippt, hast du Minuten. Nicht Stunden. Drei Fragen, die du in dieser Reihenfolge beantwortest:

  1. Ist mein Standort sicher? Wenn nein, sofort gehen, ohne weiter zu fragen.
  2. Habe ich vor Ort, was ich brauche? Wenn ja, bleiben. Wenn nein, planen, ob besorgt werden kann oder gegangen werden muss.
  3. Wird sich die Lage stabilisieren oder verschlechtern? Bei Stabilisierung bleiben. Bei Verschlechterung früh gehen, nicht spät.

Wer zu spät geht, geht in den Stau, in die Plünderer, in die Sperrzone. Wer früh geht, geht in eine Reise.

Checklisten

Indoor-Vorrat für vier Wochen

  • 120 Liter Trinkwasser (4 Personen, 30 Tage, je 1 Liter)
  • Notnahrung für 30 Tage, 2000 kcal pro Person
  • Gasvorrat für Campingkocher, vier Wochen
  • Wärmequelle plus Brennstoff
  • Beleuchtung (Stirnlampen, Kerzen, Sturmlaterne) mit Reserve
  • Erste-Hilfe-Kit, persönliche Medikation für drei Monate
  • Hygieneartikel, Notfalltoilette
  • Bargeld in kleinen Noten
  • Radio, Funkgeräte, Reservebatterien
  • Werkzeug, Multitool, Messer, Feuerstahl

Fluchtrucksack für 72 Stunden

  • Wasser (3 Liter), Filter, Micropur
  • Notnahrung (NRG-5, Riegel, Nüsse)
  • Wechselkleidung, Regenschutz, Wollmütze
  • Schlafsack oder Biwaksack, Isomatte
  • Stirnlampe, Reservebatterien
  • Messer, Multitool, Feuerstahl, Paracord
  • Erste-Hilfe-Kit, persönliche Medikation
  • Funkgerät, Radio, Powerbank
  • Dokumentenmappe, Bargeld, Edelmetalle
  • Hygieneset, Toilettenpapier, Müllbeutel
  • Karte, Kompass, Schreibzeug

Everyday Carry (EDC)

  • Handy mit Powerbank
  • Klappmesser, klein, alltagstauglich
  • Stirnlampe oder kleine Taschenlampe
  • Feuerzeug
  • Bargeld, kleine Stückelung
  • Pfefferspray (legal trägbar in der Schweiz)
  • Kleines Erste-Hilfe-Set (Pflaster, Tourniquet-Alternative wie CAT)
  • Notfallkontakte schriftlich

Der nächste Schritt

Vorsorge ist kein Wochenendprojekt. Sie ist eine Praxis, die mit dem ersten Liter Wasser anfängt und mit der letzten Trainingseinheit weitergeht. Wer wartet, bis es ernst wird, hat verloren. Wer jetzt anfängt, kauft sich eine Versicherung, die niemand verkaufen kann.

Drei Schritte, die du diese Woche machen kannst:

  1. Inventur. Was hast du zu Hause? Wasser, Nahrung, Licht, Wärme. Schreib es auf, ehrlich.
  2. Lücken schliessen. Eine Kategorie pro Woche. In zwei Monaten bist du auf einem soliden Stand.
  3. Training. Funkgerät einmal benutzen. Wasserfilter ausprobieren. Pfefferspray-Übung in der Garage. Was du kannst, gehört dir.

TRAIN NOW. DECIDE FAST. BE READY.

Wer seine Krisenvorsorge auf das nächste Level bringen will, findet bei Plan B Training strukturierte Ausbildung in den Bereichen Selbstverteidigung, Notfallmedizin, Praktisches Schiessen, Stress Defense und Rucking. Wer den Einstieg sucht, bucht eine Bedarfsanalyse. Wer schon weiss, was er braucht, bucht direkt einen Kurs.

Bild von Marc Baumann

Marc Baumann

Trainer & Inhaber

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