Krisenvorsorge als Plan B: Ein praktischer Leitfaden mit Checklisten, Szenarien und Entscheidungslogik

Executive Summary und Einordnung

Dieses Dokument ist kein Abenteuertext. Es ist eine Arbeitsanleitung: Was du heute vorbereitest, damit du morgen nicht improvisieren musst.

Der Kern in einem Satz: Autonomie entsteht aus Standards, nicht aus Hoffnung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, dass Haushalte sich moeglichst 10 Tage selbst versorgen koennen. 

Die wichtigsten Zahlen, auf die du baust:

  • Wasser (Minimum, alltagstauglich): 2 Liter pro Person und Tag (BBK; darin ist ein Anteil zum Kochen einkalkuliert). 
  • Wasser (robust, praxisnah): 5 Liter pro Person und Tag (Trinken, Kochen, Hygiene) als Plan-B-Puffer, wenn du Hygiene ernst nimmst. 
  • Wasser (humanitaerer Mindeststandard): In Notlagen werden 15–20 Liter pro Person und Tag als Richtwert fuer Grundhygiene und Basiskochen genannt (WHO). 
  • Energiebedarf Nahrung (Planungswert): 2’200 kcal pro Person und Tag als Basis fuer Vorratskalkulationen (Ernaehrungsvorsorge). 
  • Notgepaeck/Fluchtrucksack: Pro Person maximal das, was in einen Rucksack passt; Rucksack statt Koffer = Haende frei, schneller, sicherer (BBK). 

Zwei sofort umsetzbare Szenarien sind enthalten:

  • 72 Stunden indoor (Strom/IT/Wasser stoeren): Fokus auf Wasser, Information, Kochen ohne Netz, Hygiene, Struktur.
  • 7–14 Tage mobil/evakuation (Raus muessen): Fokus auf Notgepaeck, Dokumente, Wasseraufbereitung, Kommunikation, Schlaf/Waerme, klare Route.

Sicherheits-Hinweis, der nicht verhandelbar ist: Notkocher/Grill nie in geschlossenen Raeumen nutzen – Kohlenmonoxid-Vergiftungsgefahr. 

Realitaet und Ziel

Die Realitaet ist banal: Unsere Grundversorgung haengt an Strom und funktionierender IT.Fällt Strom oder IT, fallen gleich mehrere Ketten gleichzeitig: Wasser, Mobilfunk/Internet, Kartenzahlung, Kuehlung, Kochen, Information. 

Das ist keine Panikthese, sondern Systemlogik:

  • Wasserwerke brauchen Strom und digitale Systeme; faellt das, kann auch Leitungswasser ausfallen. 
  • Elektronische Zahlungssysteme koennen ausfallen; Bargeld wird dann wieder „funktional“. 

Zieldefinition (Plan B):
Du willst nicht „alles abdecken“. Du willst handlungsfaehig bleiben, bis Hilfe und Normalitaet wieder greifen. Genau deshalb empfiehlt das BBK den Aufbau in Stufen (3 Tage als Start, moeglichst 10 Tage als Ziel). 

Das ist Autonomie in der Praxis:

  • Du kannst entscheiden, statt zu reagieren.
  • Du entlastest Einsatzkraefte, weil du dich selbst stabilisieren kannst. 

Die fuenf Grundpfeiler mit Standards, Wartung und Checklisten

Wasservorrat anlegen: Die 4-Liter-Formel & Kanister-Guide 2026
Wie funktioniert das? Gaskocher
Notfallrucksack für den Ernstfall: Was Sie einpacken sollten
Krisenvorsorge Survival Shop Notfallrucksack Inhalt: Wichtige Gegenstände  für die Notfallvorsorge

Damit das nicht Theorie bleibt, bekommst du pro Pfeiler:

  • kurze Begruendung (Warum)
  • Minimum-Ziele (Wieviel)
  • Ausruestung (Low / Medium / High Budget)
  • Wartung & Rotation (Wie bleibt es einsatzbereit)
  • Lager-Tipps (Wie es nicht verdirbt oder verschwindet)
  • druckbare Checkliste (Tabelle)

Wasser

Warum: Ohne Wasser kollabiert alles: Trinken, Kochen, Hygiene. Und ohne Hygiene steigen Krankheitsrisiken in Krisen massiv (WHO betont die Prioritaet ausreichender Wassermengen in Notlagen). 

Minimum-Ziele (stufenweise, damit es realistisch bleibt):

  • Stufe 1 (Start, 3 Tage): 2 L/Person/Tag (BBK-Minimum). 
  • Stufe 2 (Standard, 10 Tage): 2 L/Person/Tag fuer Getraenke (BBK-Ziel 10 Tage). 
  • Stufe 3 (robust): 5 L/Person/Tag (inkl. Hygiene-Anteil) als Plan-B-Standard, wenn du nicht nur „ueberleben“, sondern sauber bleiben willst. 
  • Stufe 4 (WASH-orientiert): 15–20 L/Person/Tag (WHO-Richtwert Notlage, wenn du Infrastrukturersatz fuer Hygiene/Haushalt abbilden willst). 

Beispielrechnungen (10 Tage, BBK-Getraenke-Standard 2 L):

  • 1 Person: 20 L
  • 2 Personen: 40 L
  • 4 Personen: 80 L
    Das passt auch zu Beispielen aus Rotkreuz-Informationsmaterial (z.B. 4 Personen ~80 L fuer 10 Tage). 

Ausruestung (zuverlaessig, breit verfuegbar):

  • Low Budget: Mineral-/Tafelwasser in Flaschen, ein paar lebensmittelechte Kanister, Topf zum Abkochen. (Bottled water ist oft wirtschaftlicher als „Notfallwasser“-Spezialpackungen; Verbraucherzentrale kritisiert diese Preisaufschlaege deutlich.) 
  • Medium Budget: plus Wasseraufbereitung (Tabletten/Desinfektion) und ein mobiler Wasserfilter; Faltkanister fuer Transport. (Mobiler Filter + Kanister wird auch in praktischen Haushaltsleitfaeden empfohlen.) 
  • High Budget: plus groessere Wasserbehaelter (Regal/Stacking), ggf. Vorfilter/Haushaltsfilter, redundantes System (z.B. Abkochen + Filter + chemische Desinfektion je nach Lage). WHO empfiehlt in Notlagen grundsaetzlich, Wasser als kontaminiert zu betrachten, bis es abgesichert/getestet ist. 

Wartung & Rotation:

  • Flaschenware: Nach Einschaetzung der Verbraucherzentrale Sachsen ist abgefuelltes Mineral-/Quell-/Tafelwasser ungeoeffnet und korrekt gelagert sehr lange nutzbar; „Notfallwasser“-Pakete sind oft unverhaeltnismaessig teuer. 
  • Kanister/Leitungswasser: rotieren (z.B. alle paar Wochen/Monate je nach Methode). Chemische Konservierung wird in Praxisleitfaeden als Option genannt. 
  • Filter/Tabletten: Ablaufdaten und Ersatzkartuschen im Kalender. WHO weist darauf hin, dass in Notlagen Wasserbehandlung wichtig sein kann, wenn keine Freigabe durch Behoerden vorliegt. 

Lagerung (damit du es wirklich nutzen kannst):

  • dunkel, kuehl, trocken; kein Sonnenlicht (Plastik altert); nicht neben Chemikalien.
  • auf mehrere Orte verteilen (Keller + Wohnung), damit ein Zugangsausfall nicht alles blockiert.
  • eine „Greifkiste“ mit 24h-Wasser in der Wohnung.

Checkliste Wasser (Plan-B Standard)

WasserMinimum (sofort)Standard (10 Tage)Robust (Plan B)OK?
Trinkwasser Vorrat2 L/Person/Tag (3 Tage) 2 L/Person/Tag (10 Tage) 5 L/Person/Tag (inkl. Hygiene) [ ]
Transport/Behaelter1–2 KanisterFaltkanister + Kanistermehrere Behaelter + Etiketten[ ]
AufbereitungAbkochen moeglichTabletten/DesinfektionFilter + Tabletten + Abkochen[ ]
Zugriff24h sofort greifbar72h greifbar10 Tage lagerfaehig & verteilt[ ]
WartungQuartals-CheckHalbjahres-Planfester Rotationskalender[ ]

Feuer und Energie

Warum: Ohne Energie kein heisses Essen, kein Abkochen, keine Waerme-Reserven. BBK fordert explizit eine alternative Kochgelegenheit und Brennstoffe. 

Minimum-Ziele:

  • Wasser abkochen koennen.
  • 1 warme Mahlzeit pro Tag fuer die ersten Tage (realistisch, nicht perfekt).
  • Licht/Kommunikation mit Batterien sichern (kommt im 5. Pfeiler, aber Energie ist das Rueckgrat). 

Ausruestung (sicher, verbreitet):

  • Low Budget: Streichhoelzer/Feuerzeug, Kerzen, ein kleiner Topf, einfache windgeschuetzte Loesung fuers Erwärmen (aber: Indoor-Sicherheit beachten).
  • Medium Budget: Campingkocher + Brennstoffvorrat; Anzuender, Thermosflasche, Isolierdecke. BBK nennt Campingkocher/Gasgrill als Alternative. 
  • High Budget: redundante Setup-Logik (Kocher + Backup), Ladeinfrastruktur (Powerbanks/Akkus), ggf. netzunabhaengige Heizoptionen (BBK Checkliste „Licht und Waerme“). 

Wartung & Rotation:

  • Brennstoff: Lagerbestand + „mindestens eine Saison“ als Denkrahmen (Winter ist ein anderer Gegner als Sommer).
  • Zuender: immer doppelt, an zwei Orten.
  • Funktionstest: 2x pro Jahr (Kocher anzuenden, Ventile, Dichtungen).

Lagerung:

  • Brennstoff trocken, kindersicher, nach Herstellerhinweisen; separate Kiste „Kochenergie“.
  • Kerzen/Anzuender nicht im Keller „ganz hinten“: Stromausfall kommt unverhofft.

Checkliste Feuer/Energie

Feuer/EnergieMinimum (sofort)Standard (10 Tage)Robust (Plan B)OK?
Alternative Kochstelleirgend eine funktionierende Option Campingkocher + Brennstoff redundantes System (Kocher + Backup)[ ]
AbkochenTopf + Hitzequellefeste Routine „Wasser sicher“klarer Prozess (filtern/kochen/lagern) [ ]
Licht-BasisKerzen + Feuerzeug Taschenlampen + Batterien Stirnlampen + Akku-Management[ ]
SicherheitsregelKeine Nutzung in geschlossenen Raeumen (CO) CO-Risiko ist allen klarCheckliste „Lueften/Abstand/Brand“[ ]

Nahrung

Warum: Essen ist Energie fuer Entscheidungen. Und Krisensituationen gehen oft mit Energieausfall einher – deshalb sind haltbare, moeglichst verzehrfertige Lebensmittel zentral (StMELF) und auch im BBK-Ratgeber werden Haltbarkeit, „fertig“ und kurze Kochzeiten als Kriterien betont. 

Minimum-Ziele:

  • 3 Tage: sofort verzehrbar + wenig Kochenergie. (BBK betont, dass bereits 3 Tage helfen und darauf aufgebaut werden kann.) 
  • 10 Tage: Planungsziel nach BBK. 
  • Kalorien-Orientierung: 2’200 kcal/Person/Tag als Planungsbasis. 

Beispielrechnung (Kalorien):

  • 1 Person, 10 Tage: 22’000 kcal
  • 2 Personen, 10 Tage: 44’000 kcal
  • 4 Personen, 10 Tage: 88’000 kcal
    Das ist kein Dogma, aber ein belastbarer Startwert. 

Ausruestung/Bestand (Low/Medium/High Budget, ohne Markenromantik):

  • Low Budget (Supermarkt-robust):
    • Kohlenhydrate: Reis, Nudeln, Haferflocken, Knäckebrot/Zwieback (StMELF nennt solche Beispiele). 
    • Protein/Fett: Konserven (Fisch/Fleisch oder vegetarische Alternativen), Nuesse, Huelsenfruechte in Dose.
    • „Kalt essbar“ als Pflichtkriterium fuer einen Teil. 
  • Medium Budget (komfortabel): plus Fertiggerichte mit kurzer Kochzeit, Dosenoeffner, Gewuerze, Multivitamin als Reserve (Praxisleitfaeden sehen Supplemente als Option). 
  • High Budget (langfristig): strukturierter Vorrat (2 Ebenen: Alltag/Rotation + Krisenreserve), ggf. „No-Cook“-Pakete fuer 72h, und klare Vorratslogik nach Lebensmitteln-Gruppen (Rotkreuz-Material zeigt exemplarische Gruppenaufteilung und Rotationsprinzip „Neu nach hinten“). 

Wartung & Rotation:

  • FIFO: „neu nach hinten, alt nach vorne“ wird als Praxistipp explizit genannt. 
  • 2 feste Termine pro Jahr: Mindesthaltbarkeit, Dosen, Schaeden, Schaedlinge.
  • Lagerliste (Papier) + Marker am Regal.

Lagerung:

  • trocken, kuehl, dunkel; Dosen/Glas vor Frost/Staessen.
  • „Blackout-freundlich“: Ein Teil muss ohne Herd funktionieren (BBK betont „fertig“ als Kriterium). 

Checkliste Nahrung

NahrungMinimum (3 Tage)Standard (10 Tage)Robust (Plan B)OK?
Kalorienbasis2’200 kcal/Person/Tag 10 Tage geplant 10 Tage + 72h „No Cook“[ ]
„Kalt essbar“ Anteilmind. 30%mind. 50% 72h komplett kalt moeglich[ ]
Kochzeitkurz/effizient Vorrat nach GruppenOption: Kurzkoch-Fertiggerichte[ ]
OeffnenDosenoeffner2. DosenoeffnerMultitool + Reserve[ ]
RotationBasispruefungFIFO-Regel aktiv Kalender/Inventarliste[ ]

Gesundheit und Hygiene

Warum: In Notlagen trennt Gesundheit „unangenehm“ von „kritisch“. BBK nennt Hausapotheke, Hygiene, persönliche Medikamente als Baustein der Vorsorge; die Checklisten listen konkrete Inhalte. 
WHO betont, dass unsanitaere Bedingungen wesentliche epidemische Risiken treiben koennen. 

Minimum-Ziele:

  • persoenliche Medikamente fuer mehrere Tage + Medikamentenplan (BBK/DRK). 
  • Erste Hilfe + Desinfektion. 
  • Hygiene-Plan, wenn Wasser/WC eingeschraenkt sind.

Ausruestung (orientiert an offiziellen Checklisten):

  • Hausapotheke (BBK Checkliste): Schmerzmittel, Fiebersenker, Thermometer, Wund- und Hautdesinfektion, Pflaster/Verband, Einmalhandschuhe, Schere, Pinzette, Elektrolyte, Mittel gegen Durchfall/Erbrechen, Brand- und Wundsalbe usw. 
  • Hygieneartikel: Seife, Handdesinfektion, Feuchttuecher, Menstruationshygiene/Windeln nach Bedarf (BBK Notgepaeck nennt Hygieneartikel explizit). 
  • Atemschutz: BBK nennt FFP2 als Bestandteil im Notgepaeck. 

Wartung & Rotation:

  • Medikamente: Ablaufdaten in Kalender; „First Expire, First Out“.
  • Sterile Produkte: Verpackung pruefen (Feuchtigkeit/Staesse).
  • Einmal pro Jahr: „Krisen-Tag“: Material kurz durchgehen, fehlendes nachkaufen.

Lagerung:

  • trocken, kindersicher, nicht ueberhitzt; Medikamente nicht im Bad, wenn dort starke Feuchtigkeit typisch ist.
  • Eine kleine „Soforttasche“ (Erste Hilfe + wichtigste Meds) nahe Ausgang/Fluchtrucksack.

Checkliste Gesundheit/Hygiene

Gesundheit/HygieneMinimum (sofort)Standard (10 Tage)Robust (Plan B)OK?
Persoenliche MedikamenteVorrat + Plan 10 Tage Reserve10 Tage + Redundanz (2 Orte)[ ]
Erste HilfeBasisset + Desinfektion erweitert nach BBKzusaetzlich Schulung/Training[ ]
HygieneSeife/Desinfektionplus Feuchttuecher, Bedarfplus Not-WC-Plan[ ]
Atemschutznach LageFFP2 im Notgepaeck Reserve + Drehplan[ ]

Licht, Kommunikation und Strom

Warum: Ohne Licht arbeitest du langsamer. Ohne Information triffst du schlechte Entscheidungen. BBK nennt Radio (batterie/solar/kurbel), Warn-App (z.B. NINA), Powerbank und Telefonliste auf Papier als Kern. 

Minimum-Ziele:

  • Lichtquelle + freihändige Option (Stirnlampe)
  • Informationen empfangen koennen (Radio)
  • Kontakt-/Notrufnummern offline
  • Strom fuer Kleingeraete (Powerbank) fuer die ersten Tage

Ausruestung (robust, standardisiert):

  • Low Budget: Taschenlampe + Batterien, Kerzen, Papierliste wichtiger Nummern, kleines Batterieradio. 
  • Medium Budget: Stirnlampe, zusaetzliche Batterien, Powerbank, Kurbel-/Solarradio (BBK/DRK nennen solche Konzepte). 
  • High Budget: standardisierte Akkusysteme, Ladegeraete, ggf. kleine Solarloesung fuer USB-Lasten (diese Logik wird in praktischen Leitfaeden generell empfohlen). 

Wartung & Rotation:

  • Powerbank: monatlich Kurzladen/Check, damit sie nicht im Ernstfall leer ist. 
  • Batterien: Lagerbestand + Verfallsdatum; Geraete einmal pro Quartal einschalten.
  • Papierliste: halbjaehrlich aktualisieren.

Lagerung:

  • Licht/Radio immer am gleichen Ort (Flur/Nahe Ausgang), nicht „irgendwo im Keller“.
  • Eine „Blackout-Kiste“: Licht, Radio, Batterieset, Feuerzeug, Papierliste.

Checkliste Licht/Kommunikation/Strom

Licht/Kommunikation/StromMinimum (sofort)Standard (10 Tage)Robust (Plan B)OK?
LichtTaschenlampe + Batterien Stirnlampe + Reservemehrere Lichtquellen, verteilt[ ]
InformationRadio (batterie/kurbel) Reservebatterienfestes „Info-Fenster“/Tag[ ]
WarnungenWarn-App (z.B. NINA) + Papierplan+ Treffpunkte/Route[ ]
StromPowerbank geladen Ladeset/AdapterStandardisierte Akkus + Routine[ ]
Offline-KontakteListe auf Papier laminiertKopie im Rucksack + zuhause[ ]

Szenarien, Quick-Plans und Entscheidungsablaeufe

Hier kommt der Unterschied zwischen „Vorrat besitzen“ und „Plan haben“.

Indoor vs Outdoor in einem Satz

  • Indoor: Du stabilisierst dein Zuhause als Insel (Wasser, Info, Kochen, Hygiene, Rhythmus).
  • Outdoor: Du reduzierst auf tragfaehige Essentials (Notgepaeck, Dokumente, Wasseraufbereitung, Waerme, Route).

BBK beschreibt Notgepaeck explizit als Hilfe fuer die ersten Tage ausser Haus und nennt den Rucksack als Grundregel. 

72 Stunden indoor: Schritt-fuer-Schritt (Checkliste + Zeitleiste)

Ziel: 72 Stunden ohne „System“ funktionieren, ohne dich zu verausgaben. BBK betont: Jede Vorbereitung entlastet und macht ruhiger. 

0–30 Minuten (Stabilisieren)

  •  Lagebild: Radio an, Warnungen pruefen. 
  •  Licht sichern (Stirnlampe/Taschenlampe). 
  •  Wasserzugang checken, 24h-Reserve in die Wohnung holen.
  •  Bargeld und Dokumentenmappe greifbar. (Kartenzahlung kann ausfallen.) 

0,5–6 Stunden (Ressourcen organisieren)

  •  Wasser rationieren nach Standard (zuerst Trinken sichern). 
  •  Mahlzeitenplan: zuerst verderbliche Ware/Kuelschrank (solange kalt), dann Konserven. (Kühlung/Oeffentliche Versorgung kann ausfallen.) 
  •  Ladeprioritaet: Powerbank nur fuer Noetiges. 

6–24 Stunden (Rhythmus etablieren)

  •  2 feste Info-Slots/Tag (z.B. morgens/abends Radio).
  •  Hygiene-Minimum (Haende, Essen, Toilette). WHO betont Zusammenhang Hygiene–Krankheitsrisiko in Notlagen. 
  •  Nachbarschaft: nur das Noetige koordinieren, keine Dauer-Diskussion.

24–72 Stunden (Durchhalten ohne Fehler)

  •  Rotation nutzen: „alt nach vorne“. 
  •  Batterie- und Lichtdisziplin.
  •  Sicherheit: ruhig, klar, kein Risiko eskalieren; erst Selbstschutz, dann Hilfe. 

Mermaid-Zeitleiste: 72 Stunden indoor

0–30 MinLagebild viaRadio/WarnungenInformation sichernLicht & Wassersofort greifbarHandlungsfaehigkeitherstellenBargeld +DokumentenmappeZahlungs- undIdentitaet sichern0,5–6 StdWasser regimedefinierenTrinken zuerstMahlzeitenplanverderblich ->haltbarPowerbank-Disziplinnur Noetiges laden6–24 Std2Informationsfenster/TagGeruechtevermeidenHygiene-MinimumKrankheitreduzierenNachbarschaftkoordinierenRessourcen teilenwo sinnvoll24–72 StdVerbrauch/RotationsteuernFIFO anwendenLicht & EnergiesparenFehler vermeidenSituation neubewertenbleiben vs gehen72 Stunden indoor: Plan-B AblaufroutineCode anzeigen

7–14 Tage mobil/evakuation: Schritt-fuer-Schritt (Checkliste + Zeitleiste)

Ziel: Du kannst dein Zuhause kurzfristig verlassen, ohne auf Glueck zu bauen. BBK nennt typische Situationen wie Hochwasser/Hausbrand und liefert eine Notgepaeckliste. 

Vorab-Standard (heute, nicht spaeter)

  •  Pro Person: gepackter Rucksack (Notgepaeck). 
  •  Dokumentenmappe (Originale + Kopien) griffbereit. 
  •  Treffpunkt(e) + Ausweichroute + Kontaktliste auf Papier. 

Wenn Warnung kommt (0–60 Minuten)

  •  Warnung verifizieren: Radio/Warn-App. 
  •  Rucksaecke greifen (nicht packen). 
  •  Dinge, die nicht gepackt werden koennen: IDs, Bargeld, Schluessel, Handy, Gesundheitskarte/Impfpass (BBK erinnert explizit daran). 
  •  Zuhause sichern nach Lage (wenn Zeit/Anweisung): z.B. Strom/Gas/Wasser nur wenn sicher und nicht gegen Behoerdenanweisung.

Unterwegs (Tag 1–3)

  •  Wasser: Flasche + Aufbereitung.
  •  Essen: 2 Tage Verpflegung im Rucksack ist BBK-Standard; du skalierst fuer 7–14 Tage mit Resupply-Logik. 
  •  Information: Radio + Batterien. 

Tag 4–14 (mobil bleiben ohne zusammenzufallen)

  •  Schlaf/Waerme als Prioritaet (Unterkuehlung ist ein echter Leistungs-Killer).
  •  Hygiene-Minimum weiterziehen, um Krankheiten zu vermeiden (WHO). 
  •  Belastung managen: lieber weniger Strecke, aber fehlerfrei.

Mermaid-Zeitleiste: Evakuationsflow

0–15 MinWarnung pruefen(Radio/Warn-App)LagebildNotgepaeck greifenkein Packstress15–60 MinID/Bargeld/Schluessel/Medikamentenicht vergessenTreffpunkt & Routeaktivierenklare BewegungTag 1–3WasseraufbereitunglaeuftVersorgung2-Tage VerpflegungnutzenStabilitaetInfo-Fenster setzenEntscheidungenTag 4–14Resupply/UnterkunftorganisierenStrukturHygiene-MinimumhaltenGesundheitPlan laufendanpassenRealitaetmanagementEvakuation: 0–14 Tage (Flow statt Chaos)Code anzeigen

Fluchtrucksack, Sicherheit und praktische Umsetzung im Alltag

Fluchtrucksack als Produkt, nicht als Projekt

BBK ist hier klar: Notgepaeck hilft, die ersten Tage ausser Haus zu ueberstehen; Rucksack statt Koffer, pro Person nur so viel, wie in den Rucksack passt. 

BBK-Basisinhalt (stark komprimiert):

  • Medikamente, Erste Hilfe, Radio + Batterien, 2 Tage Verpflegung, Wasserflasche, Essgeschirr, Dosenoeffner/Taschenmesser, Taschenlampe + Batterien, Schlafsack/Decke, Kleidung/Wetterschutz, Handschuhe, Hygieneartikel, FFP2, Dokumentenmappe. 

DRK-Listen betonen zusaetzlich: Medikamentenplan, Dokumentenkopien, NINA/Radio fuer Warnmeldungen. 

Wartungsstandard (damit der Rucksack nicht „tot“ im Schrank liegt):

  • monatlich: Powerbank/Radio kurz testen
  • halbjaehrlich: Kleidung (Groessen, Saison), Wasser, Snacks, Medikamente rotieren
  • einmal jaehrlich: kompletter Reset (alles raus, neu packen, Liste aktualisieren)

Sicherheit ohne Heldenfantasien

In der Krise steigen Stress und Fehlentscheidungen. Der wichtigste Satz aus Sicht moderner Selbsthilfe-Leitfaeden: Hilf, wo es noetig ist – aber schuetze dich selbst, um handlungsfaehig zu bleiben. 

Plan-B Sicherheitslogik (praxisnah):

  • Licht ist Sicherheit: Gute Beleuchtung und Stirnlampe reduzieren Risiko und Konfliktpotenzial (BBK Checkliste „Licht und Waerme“). 
  • Information reduziert Geruechte: feste Info-Fenster statt Dauerdoomscrolling. 
  • Nachbarschaft vorab klaeren: Rotkreuz-Material empfiehlt Vernetzung/Versorgungskette vor dem Ereignis. 
  • Kocher-Regel: Kein Kochen/Heizen mit Kohle/Gas/Grill in geschlossenen Raeumen (CO). 

Finanzen, Dokumente und Zahlungsfaehigkeit

Wenn Strom/IT weg sind, ist Kartenzahlung und Bargeldabheben eventuell nicht mehr moeglich. BBK beschreibt den Ausfall elektronischer Zahlungssysteme explizit als Folge von Strom/IT-Ausfall. 

Minimum-Standard (pragmatisch):

  • Bargeldreserve (kleine Stueckelung) zuhause + ein kleiner Betrag im Notgepaeck. BBK erinnert im Notgepaeck-Abschnitt daran, Bargeld/Geldkarten mitzunehmen. 
  • Dokumentenmappe: Identitaet, Gesundheit, Versicherungen, wichtige Nachweise. BBK und DRK betonen die Dokumentenmappe und empfehlen teils beglaubigte Kopien bzw. Sicherheitskopien. 
  • Offline-Daten: Kontakte/Notfallnummern auf Papier (BBK Checkliste) und optional als Backup (z.B. USB). 

Praktischer Lagerstandard:

  • Mappe wassergeschuetzt, greifbar am gleichen Ort.
  • Kopie im Rucksack, Kopie zuhause, Kopie extern (Verwandte/anderer Ort). 

Haltung, Routinen und konkrete Produktisierung

Haltung als Multiplikator

BBK bringt es auf den Punkt: Vorbereitung hilft, ruhiger zu bleiben, weil du weisst, was zu tun ist. 
Das ist nicht „Mindset-Gelaber“. Es ist Stressphysiologie: Klarheit reduziert Fehlentscheidungen.

Plan-B Minimalroutine (30 Minuten pro Monat):

  • Inventarupdate (Wasser/Nahrung)
  • Batterien/Powerbank Check
  • Medikamenten-Ablaufdaten
  • Papierliste Kontakte aktualisieren

Infografik-Stil: Master-Check (Ampel-Logik)

Diese Tabelle ist absichtlich simpel: Du siehst auf einen Blick, wo du stehst.

BereichMinimum (heute machbar)Standard (BBK-orientiert)Robust (Plan B)Status
Wasser3 Tage 2 L/Person/Tag 10 Tage 2 L/Person/Tag 5 L/Person/Tag + Aufbereitung [ ]
Nahrung3 Tage kalt essbar 10 Tage 2’200 kcal/Person/Tag 10 Tage + 72h No-Cook[ ]
Kochen/Energie1 funktionierende Alternative Campingkocher + Brennstoff redundantes System[ ]
Gesundheit/HygieneErste Hilfe + Meds 10 Tage Meds-ReserveNot-WC-Plan + Rotation[ ]
Info/StromLicht + Radio Powerbank + Warn-App + Papierliste Standardisierte Akkus + Routine[ ]
NotgepaeckRucksack pro Person BBK-Liste abgedeckt 7–14 Tage mobil skalierbar[ ]
Finanzen/DokumenteBargeld + Mappe Kopien + Offline-Kontakte Redundanz (2–3 Orte)[ ]

A6 Pocket-Card zum Ausdrucken

Druckidee: A6, beidseitig, laminieren. Links = Indoor 72h, rechts = Evakuation 7–14 Tage. (So klein, dass es wirklich genutzt wird.)

A6 Pocket-CardIndoor 72h (Stay)Mobil 7–14 Tage (Go)
1[ ] Radio/Warnung check [ ] Warnung verifizieren 
2[ ] Licht sichern [ ] Rucksack greifen (nicht packen) 
3[ ] Wasser 24h in Wohnung[ ] ID/Bargeld/Meds/Schluessel 
4[ ] Wasserplan (Trinken zuerst) [ ] Dokumentenmappe 
5[ ] Mahlzeitenplan (kalt essbar) [ ] Wasserflasche + Aufbereitung
6[ ] Powerbank sparen [ ] 2 Tage Verpflegung mind. 
7[ ] Hygiene-Minimum [ ] Radio + Batterien 
8[ ] Bargeld griffbereit [ ] Treffpunkt/Route aktivieren
9[ ] 2 Info-Slots/Tag [ ] Schlaf/Waerme priorisieren
10[ ] Neubewertung: bleiben vs gehen[ ] Hygiene-Minimum halten 

Downloadable-Style Gear Checklist

Diese Tabelle ist so gebaut, dass du sie direkt in ein Spreadsheet kopieren kannst.

KategorieItemMenge pro Person1 Person (10T)2 Personen (10T)4 Personen (10T)PrioritaetRotation/Check
WasserTrinkwasser2 L/Tag20 L 40 L80 L MUSSHalbjahr
WasserZusatz/Hygiene-Puffer+3 L/Tag (Plan B)+30 L +60 L+120 LSOLLQuartal
WasserWasserbehaelter (Kanister)1–223–46–8MUSSSichtcheck
WasserAufbereitung (Tabletten/Filter)1 Set112SOLLAblaufdatum
NahrungKalorienbasis2’200 kcal/Tag22’000 kcal 44’000 kcal88’000 kcalMUSSFIFO 
NahrungKalt essbar Anteil30–50%jajajaMUSSHalbjahr
EnergieAlternative Kochstelle111MUSSFunktionstest
EnergieBrennstoffnach Kochernach Setupnach Setupnach SetupMUSSSaison
GesundheitPersoenliche Meds + Plan1 Set10T 10T10TMUSSAblaufdatum
GesundheitErste Hilfe + Desinfektion1 Set12MUSSJahr
LichtStirnlampe1124SOLLBatteriecheck
LichtTaschenlampe122–4MUSSQuartal
InfoRadio (Batterie/Kurbel)1 pro Haushalt11MUSSQuartal
InfoPapier-Kontaktliste112 KopienMUSSHalbjahr
StromPowerbank124SOLLMonat
NotgepaeckRucksack pro Person124MUSSHalbjahr
FinanzenBargeld Reservenach Bedarfja jajaMUSSQuartal
DokumenteDokumentenmappe1 Haushalt11MUSSJahr

Budget-Optionen (damit es realistisch bleibt)

Preise schwanken stark. Deshalb bekommst du Budgetklassen als Strategie, nicht als Kaufberatung.

Low Budget (funktional, sofort):

  • Wasser in Flaschen, einfache Dosen-/Trockenware, Taschenlampe + Batterien, Papierliste, Basis-Erste-Hilfe, kleiner Bargeldpuffer.
  • Fokus: 72h sicher.

Medium Budget (komfortabel, 10 Tage):

  • Alternative Kochstelle (Campingkocher), strukturierter 10-Tage Vorrat, Powerbank, Radio, bessere Lagerlogik, Aufbereitung (Tabletten/Filter).

High Budget (robust, systemredundant):

  • Redundanzprinzip: zwei Wege pro kritischer Funktion (Wasseraufbereitung, Licht, Laden), bessere Lagerung/Organisation, klare Wartungsroutinen, Mobil-Option fuer 7–14 Tage.

Umsetzung als Landingpage, Pocket-Card und Readyman-Integration

Landingpage (schnell konvertierbar):

  1. Problem (Systemabhaengigkeit) → 2) Ziel (10 Tage Autonomie) 
  2. 5 Pfeiler (jeweils: Minimum, Standard, Robust + Checkliste)
  3. Szenarien (72h indoor, 7–14 Tage mobil)
  4. Downloadbereich (A6 Card, Master-Checklist, Gear Table)
  5. Wartungsroutine (30 Minuten/Monat)
  6. Haftung/Behoerdenhinweis (Behoerdenanweisungen gehen vor)

Pocket-Card A6: Hast du oben. Druck, laminieren, 1x zuhause, 1x im Rucksack.

Readyman-Integration (ohne Annahmen ueber dein internes System):

  • Wenn dein Konzept auf festen Mikro-Sprints basiert, mappe die Vorsorge in 5 Wochen: jede Woche 1 Pfeiler + 30 Minuten Wartung.
  • Ergebnis nach 5 Wochen: Minimum-Set steht, dann Ausbau auf 10 Tage.

Priorisierte Quellen

  1. BBK – „Vorsorgen fuer Krisen und Katastrophen“ (10 Tage Ziel, Systemabhaengigkeiten, Wasser-Richtwert 2 L). 
  2. BBK – „Checklisten zur Vorsorge“ (Wasser, Licht/Waerme, Kommunikation, Hausapotheke, Notgepaeck). 
  3. BBK – „Notgepaeck“ (Rucksack-Regel, Basisliste Notfallrucksack, Dokumente/Bargeld). 
  4. WHO – Water, Sanitation and Health in Humanitarian Emergencies (15–20 L/Person/Tag, Hygiene- und Krankheitsrisiken). 
  5. WHO Technical Note (Wasserbedarf, Container-Logik, 20 L als Mindestmenge fuer essentielle Gesundheit/Hygiene in Forschungseinordnung). 
  6. Ernaehrungsvorsorge / Bundeszentrum fuer Ernaehrung – Vorratskalkulator (2’200 kcal/Tag Planungsbasis). 
  7. DRK (Landesverband Brandenburg) – Notgepaeck-Liste (Warnmeldungen via Radio/NINA, Dokumente/Medikamente griffbereit). 
  8. DRK Nordrhein – Katastrophenvorsorge (10 Tage Beispiel, Rotationsprinzip „neu nach hinten“). 
  9. Verbraucherzentrale Sachsen – Marktcheck Notfallvorrat (2 L/Tag Empfehlung; Kritik an teurem „Notfallwasser“; Langzeitlogik Flaschenwasser). 
  10. Stadt Dortmund – Selbsthilfefaehigkeit und Selbstschutz (Grundausstattung, CO-Warnung bei Notkochern in Innenraeumen). 
  11. StMELF Bayern – Private Vorratshaltung (mindestens 3 Tage, optimal 10 Tage; haltbar & kalt verzehrfertig). 
Bild von Marc Baumann

Marc Baumann

Trainer & Inhaber

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